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Warten auf den Frühling und die Ruinen

Winter ist definitiv nicht die Jahreszeit für Infrarot-Fans. Das Wetter ist meistens mies und wenn’s dann doch einmal schön ist, scheint die Sonne nur einige Stunden am Tag. Und die nackten Bäume. Um das ganze Potenzial der Infrarot-Fotografie ausschöpfen zu können, braucht es grüne Vegetation, denn diese strahlt Infrarot-Licht besonders gut ab.

Ich kann es kaum erwarten, bei Sonnenschein hinauszugehen und mir neue Motive zu suchen. Solche wie oben im Bild. Am liebsten Landschaftssujets mit Bäumen und Wolken und Ruinen: ein altes verfallenes Häuschen oder eine Burg aus längst vergangenen Zeiten.

Es sind diese Sujets, die mich ansprechen. Warum, weiss ich nicht so genau. Die Vergangenheit und deren Spuren haben mich schon immer interessiert. Ruinen erzählen Geschichten, im Gegensatz zu modernen, herausgeputzten Gebäuden, bei denen die Spuren von ihren Bewohnern stets aufs Neue verwischt werden.

Ruinen sind vom Menschen verlassen. Auch das ist ein Reiz für mich. Ich mag es nicht, zu fotografieren und dabei stets Menschen um mich herum zu haben. Ich brauche Ruhe und Einsamkeit, um mich vollständig auf ein Motiv einlassen zu können.

Doch sind Ruinen selbst tot?

Der Kulturwissenschaftler Johannes Binotto schrieb etwas Wunderbares über Ruinen in seiner Studie über das Unheimliche – Tat/Ort (Link):

Die Ruine ist aktiver und lebendiger als jedes intakte Gebäude sein könnte, denn im Gegensatz zu dessen Vollendung ist die Ruine noch nicht beendet. Paradox formuliert: Die Ruine befindet sich immer noch im Bau. Sie wuchert und wächst weiter. Alle Widersprüche in sich verbindend: Die toten Steine und die lebenden Pflanzen werden eins, Himmel und Mauerwerk vermengen sich, die archäologische Studie ist zugleich Wahngebilde.

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